Gone

Der Hund, der hier immer schrieb, wird es nicht mehr tun. Ich, sein Herrchen, muss leider an dieser Stelle mitteilen, dass er gegangen ist.

letzter abdruck

Tut mir leid, dass ich nicht mehr für Dich tun konnte, mein Dicker. Vielleicht kannst Du mir eines Tages verzeihen.

Ich hatte meinen Spass

Also ich für meinen Teil hatte in den letzten zwei Wochen an der Ostsee meinen Spass. Hier kann man mich sehen, wie ich erschöpft vom Toben und Spielen im Auto sitze:

Jupp, so soll das sein!

Ui, Seeeehr hübsch!

Schaut Euch diese Entlebucherdame an:

entlebucher

Wow! Die würd ich ja gerne mal besteigen, meine Herren!

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Videos

Der Mitbewohner meinte, es sei eine gute Idee, mich beim Verrichten allerlei alltäglicher Dinge zu filmen und das ins Internet zu stellen.

Na dann. Wenn er meint. Hier mal die Filme:

Fellpflege:

Sport:

Baden:

Bescheid:

Tja. So seh ich also auf Videos aus. Tolle Wurst.

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Wölfe

Hier ein paar wunderschöne Bilder meiner Vorfahren, bzw. der Nachfahren meiner Vorfahren. Ähm...

wolf1.jpg wolfangst.jpg wolfaufpassen.jpg wolfaugen.jpg wolfbettelt.jpg wolfbraun.jpg wolfbrauneaugen.jpg wolfdunkel.jpg wolfgrimmig.jpg wolfheul.jpg wolfhuebsch.jpg wolfkampf.jpg wolfportrait.jpg wolfweiss.jpg wolfwinter.jpg

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Ruhe - Nanu?

Was ist das denn? Der Nachwuchs des Mitbewohners ist nicht da. Ist heute früh mit ihm aus dem Haus und seit dem nicht mehr aufgetaucht. Nanu? Traurig scheint der werte Herr Mitbewohner darüber aber nicht zu sein, passiert ist ihr also offenbar nichts.

Diese Ruhe.

Göttlich. Hach. Schwelg. Geniess. Seufz. Wuahhh.

Allerdings ist die Ruhe trügerisch. Es findet zwar gerade kein Gezeter und Mordio statt, dafür hat der Mitbewohner seine Anlage aufgedreht. So ein Sack. Einmal alle paar Jahre ist der Nachwuchs nicht da. Und was macht der Mensch? Geht er aus? Trifft sich mit Freunden? Wäscht das Auto? Räumt den Keller auf? Nein nichts dergleichen tut er. Hockt vor dem Rechner - as usual - und freut sich seines Lebens.

Es ist doch immer wieder faszinierend, welch einfaches Gemüt mein Mitbewohner doch hat. Er ist in der Tat zufrieden mit dem jämmerlichen Dasein das er führt. Mehr scheint er nicht zu wollen. Wie konnte so eine Spezies nur soweit kommen? Unerklärlich.

Wie dem auch sei, wir werden sehen, wie lang die Ruhe anhält. Und wo zum Henker ist dieses Gör hin?

 

Sehen, Hören, Riechen - Nee

 

 

 

Also im Grunde betrifft mich das Problem als Hund ja nicht wirklich. Das Problem der Überwachung der Menschen durch deren Staat. Ich als Hund bin ja für nichts haftbar, von daher könnte ich darüber ja nur lachen.

Aber!

Es ist andererseits durchaus verwunderlich, mit welcher Ignoranz sich die Menschen die andauernde Bevormundung  durch ihren eigenen Staat gefallen lassen. Ich meine, den haben die selber gegründet mal irgendwann. Jedoch macht der Staat was er will und kaum einen der betroffenen Menschen - in diesem Kontext nennen sie sich "Bürger", ich verstehe unter einem Bürger allerdings etwas anderes - interessiert es.

Immerhin, es gibt noch den einen oder anderen, der sich sorgt. Wobei hier die Betonung auf dem Wörtchen 'noch' liegt. Denn das wird wohl nicht mehr lange so bleiben. Einer dieser Menschen, der sich Prof. Peter A. Henning nennt, hat eine Theorie aufgestellt, die das Phänomen erklären will:

These 1:
Die Gewalten des modernen Staates versuchen permanent, sich neu zu legitimieren – indem sie seinen Bürgern Schutz vor Bedrohungen versprechen, die offensichtlich irreal sind und das Individuum eigentlich nicht betreffen.


These 2:
Der Staat wird das so geschaffene Instrumentarium, weil die realen Feine fehlen, gegen die eigenen Bürger einsetzen.

 Ja, nicht wirklich neu oder originell aber schön, das mal so ausformuliert zu sehen. Faszinierend, dass es doch immer wieder einige wenige vernunftbegabtere Exemplare gibt bei dieser Spezies. Freilich sind die in der Überzahl, die sich auf dem geistigen Niveau toter Mäuse bewegen. Sie hören nichts, sehen nichts und riechen nichts.

Oder wie mein geschätzter Freund und Philosoph Bruno immer sagt: eine Gesellschaft deren Mitglieder überwiegend dumm sind, ist zum Untergang verurteilt. Eben jener bahnt sich denn auch gerade an. Aber, wie so oft bei Dummen, sie sehen es in den Nachrichten aber zucken nur mit der Schulter. Bemitleidenswerte Spezies, diese Menschen. Recht lang werden die den Planeten nicht mehr bevölkern.

Was zwar gut für den Planeten sein mag, aber schlecht für uns Hunde. Denn das heisst, dass wir unser Essen wieder selbst organisieren müssen. Warum zum Henker baut man sich über Jahrtausende aufwändig eine Umgebung auf, in der man gut versorgt wird? Sehr traurig.

 

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Amen

Ihr habt lange nichts mehr von mir gehört. Dafür muss ich mich entschuldigen. Obwohl ich das eigentlich nicht tun bräuchte, da mein verehrter Mitbewohner, da er diese Woche Bereitschaft und Spätschicht hat, den Rechner samt Internet belegt hat. Sack.

Wie auch immer. Nun bin ich also wieder da und kann Euch, erlauchte Leser, mit meiner Weisheit beglücken. Nein, ich bin ganz und gar bescheiden.

Wo wir von Weisheit sprechen. Mein Mitbewohner ist seltsam. Nein, nicht seltsam weise, sondern eben einfach nur seltsam. Widersprüchlich. Ein gutes Beispiel ist die Religion. Ihr wisst schon, Gott, die Dreifaltigkeit und so Zeugs. Er hat damit nichts am Hut. Er glaubt keinen Millimeter an irgendeine wie auch immer geartete höhere Macht.

Soweit so gut.

Ungeachtet dieser Tatsache nennt er aber doch eine Reihe religiöser Bücher sein eigen. Er besitzt eine schwergewichtige Studienbibel. Mit Goldrand. Mein Gott. Und das Bhagavad Gita. Und die Schriften von Lao-Tse Tao-Tê-King. Sogar das Evangelium des Fliegenden Spgaghettimonsters steht in seinem Schrank. Und damit nicht genug. Er hat auch noch diverse kritische Schriften. Dieses umstrittene Buch von diesem Dawkins, Gods Delusion, oder eines von einem gewissen Sloterdijk (wer zum Henker ist DAS?) vom Kampf der drei Monotheismen, oder ein anders namens Grand Theft Jesus. Er hat sogar ein Lexikon der Bibel-Irrtümer.

Er hat keinen Koran. Er scheint aber darüber nachzudenken, sich einen zuzulegen. Kann man das glauben? Von Verstehen wollen wir gar nicht erst reden.

Für mich als mittelbegabten Hund ist das natürlich sehr praktisch. Da ich ohnehin nicht allzu viel zu tun habe, kann ich die Zeit, wenn der Mitbewohner in der Arbeit ist - also nicht diese Woche - nutzen, um die Bücher zu studieren, mit denen er sich umgibt. Was in diesem Fall aber auch nicht allzu einfach ist, da er nämlich - unfassbar! - diese Bücher auch noch liest. Hin und wieder, dann und wann, mal in dem oder mal in einem anderen.

Warum macht der Mensch das? Es scheint ihn zu interessieren, schön. Aber verdammt, er glaubt nicht an diesen ganzen Kram. Warum beschäftigt er sich aber trotzdem damit? Mir ist mein Leben schon eine Menge Suspektes und Absurdes vor die Augen, Ohren oder die Nase gekommen, unter anderem diese Religionssache, aber das hier übertrifft alles.

Nachdem ich ohnehin schon immer mehr oder weniger intuitiv geahnt habe, dass mein Mitbewohner im Grunde nicht mehr als ein Idiot ist, weiss ich es nun mit absoluter Sicherheit. Der Mann hat ein Rad ab. Er spinnt. Ist durchgetickt. Schraube locker. You Name It.

Ich meine, wenn ich von einer Sache X keine Ahnung habe, was tue ich da, so als Durchschnittshund? Ist ja klar: ich lese ein Buch darüber. Die Betonung liegt auf EIN. In Worten: E I N Buch. Nicht zwei. Nicht drei. Nicht acht. Nur eines. Punkt, fertig. Wenn ich die Sache dann total cool finde und mehr davon will, lese ich EIN weiteres Buch darüber. Dann reicht es aber auch.

Mein Mitbewohner ist aber derart geistig unterkomplex, dass er Unmengen Bücher über Religion verschlingt. Und es trotzdem nicht versteht. Er fängt auch nicht an, daran zu glauben. Ganz im Gegenteil sogar. Jedoch - hört er damit auf? Nein.

Ich lebe mit einer verdammten Amöbe zusammen. Ich kann es nicht fassen. Dabei ist das alles doch wirklich ganz einfach. Gott erschuf die Welt, Adam und Eva haben gesündigt, alle Menschen müssen seither dafür büßen, Jesus bezahlte für diese Schuld mit seinem Leben und seither finden alle Jesus geil.

Wie kann man überhaupt nur mehr als zwei Seiten wegen so einer Story verschwenden, gar nicht zu reden von einem ganzen Buch oder gar einer ganzen Bibliothek! Man muss sich das mal vorstellen, es handelt sich hier um eine Sache, die nachweislich nicht existiert und - die Story weiter oben - auch nachweislich nie so passiert ist. Aber diese Story ist jene, von der es die meisten Bücher gibt bei den Menschen. Mehr als über die Sterne, mehr als über Kochrezepte, mehr als über Quantenfluktuationen, sogar mehr als über die Paarung! Es gibt über diese nicht existierende Sache mehr Bücher bei den Menschen, als über alle existierenden Sachen zusammen!

Hallo?!

Und diese Spezies nimmt diese Nichtexistenz sehr ernst. So ernst, dass sie sich gegenseitig deswegen umbringen. Sie verüben Massaker an Tausenden von ihren Leuten. Nur weil deren Variante von Gott andere Klamotten trägt. Huh? Und dabei ist das nur die Spitze des Eisbergs. Die meisten dieser Leute haben keine Waffen oder dürfen sie nicht einsetzen. Wenn sie welche hätten und sie einsetzen dürften, würde auf diesem Planeten umgehend das grosse Schlachten beginnen. Die Christen würden alle Moslems vernichten - womit sie nebenbei bemerkt derweil schonmal angefangen haben - die Moslems umgekehrt alle Christen. Und so weiter.

Man wundert sich, wie diese Spezies es schafft, trotzdem irgendwie zu überleben und zwar in einem Maße, dass der Planet ächzt vor Schmerzen ob der übernatürlichen Belastung.

Vielleicht kann mir das ja irgendwann jemand erklären. Ich wäre überaus dankbar. Wirklich.

Bis dahin werd ich jetzt erstmal ein Nickerchen machen.

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Paradoxon

Mitbewohner (Menschen, wie sie sich selbst nennen) sind in der Tat eingenartige Geschöpfe. Sie tun komische Dinge und die Resulate sind noch komischer und unerwarteter.

Heute im Park, als ich meinen Mitbewohner ausführte, traf ich Benno, einen guten Freund. Ich war hocherfreut, da ich ihn lange nicht gesehen hatte und so nutzten wir die Gelegenheit, als mein Mitbewohner sich auf einer Bank ausruhte, zu einem Gespräch.

Während wir so schön über die alten Zeiten palaverten, lief eine ansehnliche Windhunddame an uns vorbei. Sie nickte uns verschmitzt zu, denn ihre Bereitschaft war nicht zu überriechen. Benno und ich waren begeistert. Auch wenn ich längst nicht mehr in dem Alter bin, kann ich doch seine Freude nachvollziehen, als er die Gute sogleich bestieg.

"Hast Du ihren Namen erfahren?"

"Nein aber sie ist morgen wieder hier.", Benno grinste und damit war das Thema erledigt. Wir Hunde machen nicht viel Federlesens um das Besteigen. Der Gedanke muss wohl nicht nur mir gekommen sein, denn Benno bemerkte, dass diese Sache bei den Mitbewohnern ein wenig komplizierter sei.

"Hast Du eine Ahnung, warum deren Männchen nicht die Weibchen besteigen, sobald eines vorbeikommt, das bereit ist?", wollte er von mir wissen. Glücklicherweise ist es mir in der Vergangenheit gelungen, dieses Verhalten eingehend zu beobachten.

"Sieh, Benno, es fängt damit an, dass die Männchen gar nicht bemerken, ob ein Weibchen bereit ist. Sie haben keinen Geruchssinn, jedenfalls nicht in dem Sinn, wie das was wir darunter verstehen.". Benno nickte wissend.

"Sehr seltsam ist zum Beispiel, dass die Weibchen verschiedene Signale ausschicken, damit die Männchen das trotzdem mitbekommen. Bei den meisten klappt allerdings selbst das nicht. Oft gelingt es nur bei einem Exemplar."

"Aber das kann doch das Weibchen gleich besteigen oder?"

"Das ist ja das seltsame, kaum hat ein Männchen angebissen, fängt das Weibchen an, es an der Nase herumzuführen. Es treibt Spielchen mit dem Männchen. Auf keinen Fall kommt es gleich zum Besteigen. Die beiden Paarungsbereiten reden dann erst mal über lauter völlig uninteressante Sachen."

"Aber dann besteigt er sie?", fragte Benno ungeduldig.

"Im Gegenteil! Dann trennen sie sich und sehen sich erst am nächsten Tag wieder. Unvorstellbar, nicht wahr? An dem Tag gehen sie dann zusammen irgendwohin und essen etwas oder so. Dabei reden sie weiter über Belanglosigkeiten."

Mein Mitbewohner war in der Zwischenzeit aufgestanden und wollte sich offenbar von mir entfernen. Ich tat so, als liesse ich ihn gewähren und blieb wo ich war.

Benno wurde immer ungeduldiger. "Aber dann besteigt er sie?"

"Mein lieber Freund, ich muss Dich auch diesmal enttäuschen, noch immer darf das Männchen sie nicht besteigen. Er muss dieses Gerede bis zum späten Abend ertragen. Fürwahr, eine Qual. Man könnte direkt Mitleid entwickeln."

Wir grunzten und lachten über diese abstruse Vorstellung.

"Wenn das Männchen dann also diese Torturen überstanden hat, gehen sie zu ihr nach Hause oder, wenn er wohlhabend zu sein scheint, zu ihm."

"Aber jetzt besteigt er sie, er muss es nicht mehr aushalten können!"

"Negativ, Benno.", fuhr ich fort. "Jetzt macht das Weibchen ein Gerät an, aus dem diese furchtbaren Geräusche kommen, auf die sie so stehen."

"Du meinst dieses Zeug, wie nennen die das nochmal? Musik?"

"Ja genau. Und sie trinken dann berauschende Getränke, ausserdem fahren sie mit dem Reden fort. Dieser Moment ist übrigens kritisch für das Männchen, weil sich hier erst entscheidet, ob er sie besteigen darf. Er muss sie zum Lachen bringen aber darf nicht blöd dabei wirken."

Benno schüttelte sich bei dem Gedanken, wie ein grundsätzlich blödes Lebewesen es anstellen soll, nicht blöd zu wirken.

"Hat er den kritischen Punkt überstanden, darf er sie aber immer noch nicht besteigen! Kaum zu glauben, nicht wahr? Jetzt muss er das Weibchen umständlich ausziehen und er muss sie überall mit seiner Schnauze berühren. Den Weibchen scheint dieses absonderliche Getue zu gefallen."

"Aber jetzt", unterbrach mich Benno, der es nicht mehr aushielt, "darf er sie endlich besteigen?". "Richtig.", bestätigte ich. "Wie um Himmelswillen schaffen es die Mitbewohner aber dann, sich so stark zu vermehren?"

"Das, mein lieber Benno, ist das Paradoxon bei dieser Spezies. Ein grosses Rätsel. Ich kann es nicht erklären".

Benno schüttelte verwundert den Kopf. Gerade lief ein paarungsbereites Mitbewohnerweibchen vorbei aber mein Mitbewohner, der inzwischen zurückgekehrt war, nahm keine Notiz davon. Ihr Geruch schrie geradezu nach Besteigen, er hatte jedoch nichts besseres zu tun, als nach mir zu rufen.

Ich verabschiedete mich von Benno und tat dem Zweibeiner den Gefallen und trabte zu ihm, um zu vermeiden, dass er traurig wurde. Traurige Mitbewohner sind kaum zu ertragen.

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Wolfstränen

Wie jeder Mensch weiss, schreiben wir Hunde keine Bücher, legen keine Bibliotheken an und erzählen einander auch keine grossen Geschichten über alte Zeiten. Wir besuchen keine Schulen und Universitäten, jedenfalls nicht zu dem Zweck zu dem Menschen das tun. Neben vielem anderen ist das ein Grund, warum Menschen denken, wir würden auf einer niedrigeren Stufe stehen als sie selbst.

Sie irren sich.

Der Grund, warum wir all das nicht tun, ist dass wir uns erinnern. Wir erinnern uns an die Tage unserer fernsten Vorfahren. Es ist nicht die selbe Art Erinnerung wie wir sie in unserem eigenen Leben ansammeln. Es ist eine subtile Art der Erinnerung, sie ist schwer zu fassen. Manchmal hat man nur eine diffuse Ahnung, dass man sich gerade an die Alten erinnert hat. Oft kommen die Erinnerungen in unseren Träumen zu uns und erzählen uns von den Ahnen, von ihrem Leben und ihren Entscheidungen. Seltener gelingt es uns, diese Träume nach dem Erwachen festzuhalten. Aber hin und wieder haben wir dieses Glück und wir schätzen es sehr.

Vergangene Nacht ist mir so etwas passiert. Ich bin aus einem Traum erwacht und kann mich an alle Einzelheiten erinnern. Ich will Euch davon erzählen:

Es war in jenen fernen Tagen, als am Himmel mehr Sterne zu sehen waren als in allen Städten der Menschen von heute Lichter. Als wir noch Teil eines grösseren Ganzen waren, das zu funktionieren schien. Irgendwie funktioniert es auch heute noch. Aber es hat seinen Zauber verloren. Ich spreche von der Natur, von Allem, von der allumfassenden Energie des Lebens. Zu diesen Zeiten spürten wir die Grossartigkeit unseres Daseins jederzeit mit allen Fasern unseres Körpers. Wir huldigten dem Leben, wir beteten es an. Oft versammelten wir uns in klaren Nächten und heulten unsere Ehrfurcht hinaus.

Es war am frühen Abend in diesen alten Zeiten, als ich neben meiner Mutter über eine Wiese zu einem Bach lief. Sie hatte vorher einen Hasen gejagt und ich war satt. In einiger Entfernung grasten Elche. Sie wussten, dass von uns keine Gefahr ausging und ließen sich daher nicht dabei stören. Von weiter Ferne konnte man das Trompeten einer Mamutherde hören. Die Sonne war kaum noch zu sehen, der ganze Himmel glühte in samtigen rot, orange und gelb. Einige Wolken verzauberten das Abendlicht zu wabernden Schleiern. Es roch nach Gräsern, nach all den Blumen, die überall blühten und nach dem frischen Wasser des Baches in der Nähe. Der Wind wehte den zarten süßlichen Pollenduft der Ginkgowälder weiter südlich herüber.

wolfBaby

Als wir den Bach erreichten, überraschten wir ein Zweibeinerweibchen. Vielleicht hatte sie uns auch erwartet, das war von unserer Perspektive aus schwer festzustellen. Sie hielt eine Speerschleuder in der Hand, deren löffelförmig geformtes Ende sie über der Schulter hielt. Gerade in dem Moment als wir praktisch direkt in ihrem Gesichtsfeld auftauchten, stand sie auf und schleuderte den Speer, der in der Schleuder eingespannt war, zu uns. Es ging viel zu schnell, um in irgend einer Weise darauf zu reagieren. An die nächsten Momente kann ich mich kaum noch erinnern. Wage nahm ich das Heulen meiner Mutter wahr. Der Speer hatte sie getroffen. Ich saß benommen neben ihr, unfähig mich zu bewegen. Ihr Heulen erstarb in einem herzzerreißendem Winseln. Ich sah, wie sie mich zum letzten Mal ansah, als ob sie mir sagen wollte: "Paß auf Dich auf mein Kleiner. Wir werden uns wiedersehen, mach Dir keine Sorgen."

Das nächste an das ich mich erinnern kann war ein kleines Feuer. Zunächst wollte ich weglaufen aber ich konnte mich irgendwie nicht von Fleck rühren. Das Zweibeinerweibchen saß neben dem Feuer und betrachtete mich. An ihren Wangen liefen Tränen herunter. Ich konnte deutlich spüren, dass sie mit mir Mitleid hatte. Eigenartig, da sie ja diejenige war, der ich meinen Verlust zu verdanken hatte. In Ermangelung besserer Alternativen beschloss ich jedoch vorerst zu bleiben wo ich war. Trotz meiner Furcht vor dem Feuer hielt mich gleichzeitig etwas dort. Ihre Präsenz bedeutete mir, dass mir in ihrer Nähe nichts passieren würde. Vorerst zumindest. Irgendwann muss ich wohl eingeschlafen sein.

Ich erwachte vom Zwitschern der Vögel. Etwas schien mich zu tragen. Ich schaute in den Himmel, der sich hin und her bewegte. Hin und wieder konnte ich am Rand meines Blickfeldes Blätter wahrnehmen. Ich rappelte mich auf und stellte fest, dass ich auf einem Fellbündel gelegen hatte, direkt ihr gegenüber. Sie hielt etwas langes in den Händen und tauchte es in regelmäßigen Abständen in etwas unter uns ein. Dem Ding mit meinem Blick folgend traf mich die Erkenntnis wie ein Schock. Wir befanden uns auf dem Wasser! Wir schwammen auf einem Ding, dass die Zweibeinerin offenbar gebaut hatte. Es kam mir wie Magie vor. Ich zitterte vor Angst. Das Ding schaukelte recht heftig auf den Wellen und wegen ihrer Ruderstöße herum und ich befürchtete, jederzeit ins Wasser fallen zu müssen.

Plötzlich öffnete sie den Mund und gab einige Laute von sich. Ich kannte diese Laute, die die Zweibeiner von Zeit zu Zeit verwendeten. Meine Mutter und ich hatten sie mehr als einmal heimlich bei ihrer Jagd beobachtet. Die Laute dieser hier aber waren völlig anders. Sie waren sehr leise und sanft. Wie etwas weiches und zerbrechliches schwebten sie zu mir herüber, als ob ein Lufthauch sie jeden Moment forttragen könnte. Und mit einem Mal ging es mir viel besser. Die Wärme ihrer sanften Laute strömte durch mich hindurch, füllte mein Herz mit Vertrauen und Sicherheit. Sie war eindeutig etwas besonderes.

Nun da ich mich beruhigt hatte, verzog sie ihre Lippen. Später lernte ich, dass es ein Lächeln war, ein Ausdruck der Freude. Sie gab keine weiteren Laute von sich und fuhr fort, den langen Stock ins Wasser zu tauchen. Während das Ufer langsam an uns vorbei schwebte, beobachtete ich sie eingehender. Sie hatte kein Haar im Gesicht und wie wir einmal herausgefunden hatten, als wir einen der Zweibeiner tot am Ufer eines Sees fanden, waren auch sonst keine Haare an ihrem Körper. Aber der Kopf war von ihrem Haar bedeckt. Es war hell und leuchtete in den vereinzelten Sonnenstrahlen, die zwischen den Bäumen hindurchglitzerten. Sie hatte hier und da Strähnen miteinander verwoben, in diese Strähnen waren Bänder eingearbeitet, weisse und blaue. Es flatterte im Wind und ein paar ihrer Haare fielen ihr immer wieder ins Gesicht und sie blies sie gekonnt aus dem Weg. Über ihrer Schulter hatte sie einen Umhang aus feinem Leder. Er war beinahe vollständig mit komplizierten Mustern bedeckt. Ich konnte kleine Knochen erkennen, aus denen sich Bilder von Tieren ergaben. Am Hals hatte sie eine Kette aus schillernden Muscheln.

Irgendwann konnte ich ein Geräusch wahrnehmen. Zuerst war es kaum mehr als das Rascheln der Blätter. Aber es schien immer näher zu kommen. Und es wurde lauter. Mit der Zeit kristalisierten sich einzelne Stimmen von Zweibeinern heraus und mir wurde klar, dass wir uns einer Ansammlung ihresgleichen nähern mussten. Wieder schenkte sie mir ihr warmes Lächeln. Mit einem Mal war ich ziemlich aufgeregt. Irgendwie erfasste mich eine unheimliche Neugier. Der Fluss machte gerade eine Biegung und da konnte ich sie sehen. Auf einer Lichtung in der Biegung hatten die Zweibeiner viele Zelte aus Leder aufgestellt. Ich konnte nicht sagen wie viele, mir kam es vor wie ein ganzer Wald aus Zelten. Und zwischen den Zelten wimmelte es von ihnen. Die meisten liefen zum Ufer um meine Zweibeinerin zu begrüssen. Sie schienen sie wohl sehr vermisst zu haben und die Freude in den Lauten der Anderen war schwer zu überhören. Und es gab viele kleine Zweibeiner. Ihre Jungen haben viel hellere Stimmen und sie waren bekannt dafür ebenso tollpatschig zu sein wie unsereins in der Jugend.

Hier möchte ich diese Geschichte beenden. Ich habe neue Freunde gefunden und während ich erwachsen wurde, erkannte ich zusehends, dass sie mich brauchten. Ich konnte viel für sie tun. Und ich blieb mein ganzes Leben an der Seite der Zweibeinerin, die mich gefunden hatte.

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