Wutprobe

 

Hach, da hat der Mitbewohner, sonst kein Kind schlauer Einfälle, ja mal eine saubere Punktlandung hingelegt. Er hat schon vor ein paar Tagen den Rechner im "Büro" (eher eine Rumpelkammer, aber wer fragt mich schon) neu installiert. Unter anderem hat er ihn für die Benutzung durch seinen Nachwuchs hergerichtet.

Gestern fragte sie ihn, ob sie denn ins Internet dürfe, worauf der Mitbewohner antwortete, dass es schon nach achzehn Uhr wäre und das daher nicht mehr ginge. Das junge Weibchen - sein Nachwuchs - maulte darauf hin etwas von Ungerechtigkeit und trottete von dannen. In ihrem Zimmer meckerte sie noch geraume Zeit vor sich hin und machte sich über den Mitbewohner lustig. Auch wenn der Mensch in der Tat ein Looser erster Güte ist, kann ich ein solches Verhalten nicht gut heissen. Das geziemt sich nicht, wie man bei uns zivilisierten Wesen, den Hunden, zu sagen pflegt.

Heute nachmittag kam sie also nach der Schule nach Hause. Zu spät, wie immer. Sie ging auch nicht umgehend mit mir hinaus, wie sie es hätte tun sollen, sondern zog es statt dessen vor, den Kühlschrank zu plündern und die Zeit sinnlos totzuschlagen. Irgendwann kam ihr dann die Idee, dass sie ja vielleicht heute ins Internet gehen könnte. Sie rief den Mitbewohner auf dessen Arbeit an und fragte um Erlaubnis. Eine weise Entscheidung, denn wie ich mitbekommen habe, hat er das neue System nicht ohne entsprechende Vorkehrungen installiert. Hätte sie den Rechner einfach so eingeschaltet, hätte er es gemerkt.

Anscheinend hatte er es erlaubt. Das Passwort wusste sie schon, also legte sie los und daddelte fleissig im Netz umher. Was auch immer sie da getrieben haben mag - wen interessiert das auch. Nach nur einer halben Stunde aber schlug sie plötzlich auf den Tisch. Ich ging um die Ecke um zu sehen, was los war. Sie war ausser sich vor Wut. Schrie den Rechner an und verfluchte den Mitbewohner, der - zur Abwechslung - tatsächlich einmal gehalten hatte, was er angedroht hat:

pünktlich ab achzehn Uhr war das Internet gesperrt.

Das junge Weibchen tobte, fluchte, schimpfte, schrie und verfiel schliesslich in einen Weinkrampf. Letzteres aber wohl eher ob ihrer Ohnmacht, weil sich gezeigt hatte, dass der Vater offenbar doch am längeren Hebel zu sitzen scheint.

Ich für meinen Teil habe mich jedenfalls köstlich amüsiert. Sie, die immerzu ihre Intrigen und Lügen gegen andere, vorzugsweise ihre Eltern, schmiedet, ist hereingelegt worden. Nun ja, hereingelegt ist vielleicht das falsche Wort. Immerhin hatte der Mitbewohner es ihr ja gesagt: Internet geht von fünf bis sechs. Eine Stunde pro Tag und keine Sekunde länger. Wie immer hatte sie das nicht ernst genommen (ich übrigens auch nicht!) und war daher umso schockierter, als sich herausstellte, wie sehr sie sich geirrt hatte.

Was für ein Spass. Ja ich weiss, Schadenfreude ist nicht eben eine der erstrebenswertesten Tugenden. Aber in dem Fall muss ich eine Ausnahme machen. Redlich verdient, mein Fräulein, redlich verdient.

Praktischer Nebeneffekt für mich war, dass sie dann umgehend mit mir Gassi gegangen ist. Was sonst hätte sie noch tun können, unkreativ wie sie ist? Ich hab mich immer schön von ihr fern gehalten und mich königlich amüsiert, wie sie vor sich hin kochend durch den Park stapfte. Hehe!

Bravo, Herr Mitbewohner. Endlich mal eine Sache mit Hand und Fuss. Hoffentlich geht es so weiter.

 

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Ein Funken Hoffnung

Diese kleine Geschichte ist nicht von mir:

"Unsereins ist ein Lebensretter!", rief freudig der Bernhardiner aus. "Wie oft haben wir Menschen aus Lawinen gegraben und Verirrte aus den Bergen zurückgeführt."

"Unsere Kameraden haben auch schon Menschen aus Trümmern befreit!", riefen Rex, der Schäferhund und ein Rottweiler fast gleichzeitig. "Aber für unsere Nöte haben viele Menschen kein Gespür", seufzte der Bernhardiner. Er legte traurig seine Schnauze zwischen die dicken Vorderpfoten.

Piefke, der kleine Pudelmischling, erinnerte tröstend: "Es gibt aber auch immer mehr gute Menschen, die uns zu verstehen versuchen." "Das wissen wir alle!" Senta, die Colliehündin, schnupperte zustimmend in die Runde. "Es geht ja nur darum, auch die oft aus Unwissenheit gedankenlos und böse handelnden Menschen zu überzeugen, denn wir leben nun mal zusammen auf dieser Erde."

In diesem Augenblick kam eine Schar Buben den Hang herauf. "Schaut", rief Rex, "da kommen kleine Menschen. Auch sie werden fast überall verjagt. Viele in unserem Land mögen weder Hunde noch Kinder!" "Vielleicht besitzen sie noch die Gabe, Tiere zu verstehen und sprechen mit uns!", rief hoffnungsvoll ein Spitz.

Mit freundlichem Wedeln lief er auf die Bubenhorde zu. " Sieh dich vor!", schrie warnend der Rottweiler, "vermutlich sind es gedankenlose, rücksichtslose Knaben! Ein Teil der Menschen wird schon mit bösem Herzen geboren. Ich weiß es aus meinem Beruf als Polizeihund!"

Doch seine Warnung kam zu spät. Ein Stein traf den Spitz am Kopf. Die Hunde stoben auseinander. Die Buben waren grölend weitergerannt. Drei von ihnen hatten Stöcke in den Händen, klopften damit Wiesenblumen und schlugen auf Sträucher ein.

Nur ein Knabe war stehengeblieben. Er war der Jüngste von allen. Schmal und blass stand er im letzten Sonnenstrahl und streckte seine Hände mit einer hilflosen Geste nach den davoneilenden Hunden aus. In dem Moment drehte sich der Cocker Plumps um, der neben dem humpelnden Rex gelaufen war.

"Oh, sieh doch", rief er aus. Auch Rex drehte sich um zu dem auf der Wiese stehenden Jungen. "Es gibt noch Hoffnung", bellte er. Die beiden Hunde blickten sich verstehend an.

Dann setzten sie ihren Weg langsamer fort, während Freude in ihre Herzen einkehrte.

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