Knapp vorbei

Mein Mitbewohner, der ewige Bücherwurm - Betonung auf Wurm - ist ja noch immer nicht schlauer aus dem ganzen Religionskram geworden als voher. Immerhin scheint er sich jetzt zumindest auf eine halbwegs wissenschaftliche Ebene zu begeben. Aber darum soll es hier nicht gehen.

In dem Buch, das ich heute bei ihm fand, entdeckte ich eine denkwürdige Passage, die zum einen zeigt, dass wir Hunde etwas besonderes sind und zum anderen - für den menschlichen Leser aber wohl kaum wahrnehmbar - eine subtile Nuance am Rand der Erkenntnis:

Es gibt allerdings, wie es scheint, eine interessante Ausnahme: den Hund. Legt "der beste Freund des Menschen" nicht eine Ergebenheit an den Tag, die es mit der eines menschlichen Freundes aufnehmen kann? Würde ein Hund, wenn nötig, nicht sogar sterben, um sein Herrchen zu beschützen? Ja, und es ist kein Zufall, dass dieser bewundernswerte Zug bei einer domestizierten Tierart zu finden ist. Die Hunde von heute sind die Nachkommen der Hunde, die unsere Vorfahren in der Vergangenheit am meisten liebten und bewunderten; ohne sich eigentlich darum zu bemühen, schafften sie es, ihnen Treue anzuzüchten, und brachten die besten Seiten (aus ihrer wie aus unserer Sicht) un unseren tierischen Gefährten zum Vorschein.

Die Hervorhebung ist von mir. Hier sieht man schön, wie der Mensch als solches sich zu irren pflegt, und zwar sogar dann, wenn er offenen Auges den Tatsachen gegenüber steht. Dass der steinzeitliche Vormensch es ohne eigenes Zutun geschafft habe, den Hund zu bändigen, führt beim Autor des Buches (DanielC.Dennett - Den Bann brechen) nicht zu der Erkenntnis, dass die Menschen daran eventuell tatsächlich keinen Anteil gehabt haben könnten, sondern der Hund, also meine Vorfahren, freiwillig zum Menschen gekommen sein könnte.

Ja mein lieber Mr. Dennet: knapp daneben ist auch vorbei. Sooooo ein kleines Stück davor und dann das. Mein einziger Trost ist, dass er uns Hunden immerhin zugesteht, neben dem Menschen die einzige Spezies zu sein, die nicht in direktem Konkurrenzkamp zu ihren Enkeln steht. Wobei auch das nicht ganz stimmt, denn ich würde es eher verneinen, dass derartiges auf den Menschen zutrifft. Aber womöglich bin ich diesbezüglich voreingenommen.

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